Wie steht es eigentlich um die Erforschung der Veste Oberhaus?

Ein Entwurf zeigt die Bauphase der Burg um 1555.

Seit nun eineinhalb Jahren gehen Bauforscher und Kunsthistoriker der Geschichte der Veste Oberhaus auf den Grund… in dieser Zeit wurden viele Erkenntnisse über die Geschichte der Anlage, das Baualter ihrer Bestandteile und auch deren wechselnde Nutzungen über die Jahrhunderte gewonnen.

Die Festung Oberhaus war einst Sitz eines Fürstbischofs… soweit nichts Neues, aber was verbirgt sich eigentlich genau dahinter? Der „Fürstbischof“ war eine Besonderheit im alten Reich, konnte doch auf diese Weise der Kaiser einige Fürstentümer mit ihm genehmen Leuten aus dem geistlichen Stand besetzen, die (zumindest in den Anfangszeiten) nicht den dauerhaft rivalisierenden, großen Adelsfamilien angehörten. Nun wurden also auf einmal Leute zu Fürsten, die nicht unbedingt auf eine große Familientradition zurückblicken konnten und oft auch nicht allzu großen Besitz hatten – wenngleich auch sie natürlich nicht aus ganz armen Verhältnissen, sondern meist aus niederem Adel stammten.

Ein weiterer Vorteil war, dass ein Fürstbischof keine eigene Dynastie aufbauen konnte, denn die Wahl seines Nachfolgers lag (zumindest theoretisch) nicht in seiner Hand…

Der Rittersaal im ersten Geschoss des Schachnerbaus, mit Blick auf die Stadt Passau.

Umso spannender ist natürlich die Frage, wie man sich als Fürstbischof gebührend inszenierte und repräsentierte. Einerseits musste man sich ja selbst als Reichsfürst darstellen und somit auch die Position des eigenen Hochstifts im Reich behaupten. Andererseits trieb viele der Würdenträger natürlich auch der persönliche Ehrgeiz, seinem eigenen, vergänglichen Namen in der Reihe der Fürstbischöfe einen gewissen Glanz (und damit auch Beständigkeit) zu verleihen – im damaligen Kontext von Macht und Politik durchaus eine Selbstverständlichkeit. Diese wirkt teilweise bis heute nach, so nennen wir z.B. den großen Saalbau auf dem Oberhaus, den „Schachnerbau“, immer noch nach seinem Erbauer, Fürstbischof Christoph von Schachner.

Auch erkannten viele Fürstbischöfe die Möglichkeit, ihrer eigenen Familie durch ihr Amt zu einem Bedeutungsgewinn zu verhelfen.

Die Veste Oberhaus heute. Links neben dem Quader des sogenannten Fürstenbaus steht der mit Walmdach versehene Schachnerbau, der den Rittersaal beherbergt.

Die Herausforderung bei allen Anstrengungen zur eigenen Repräsentation war, dass dafür nur die eigene Amtszeit blieb – meist nur ein paar Jahre, in denen sie zumindest bis zu einem erkennbaren Stand gediehen sein mussten. Dagegen konnten sich die großen weltlichen Fürsten durch die eigene Erbfolge durchaus auch im Ruhm ihrer Vorgänger sonnen und bauten für ihre eigenen Nachfahren.

Aber kann man tatsächlich an den Bauten und ihrer Ausstattung etwas spezifisch fürstbischöfliches erkennen? Was macht ein Schloss eines geistlichen Herrschers aus und unterscheidet es womöglich vom Sitz eines weltlichen Herrschers? Oder stellten sich die geistlichen Herrscher doch viel weltlicher dar, als man es erwarten würde…?

Ein Detail aus dem Gemälde „Enthauptung der Hl. Katharina“ zeigt die Veste um 1480.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, veranstaltet das Oberhaus am Freitag, den 05.10. und Samstag, den 06.10. eine Tagung zum Thema „Fürstbischöfliche Repräsentation im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit“. Experten aus ganz Deutschland werden verschiedene Aspekte dieses weit gespannten Themas anhand verschiedener Höfe darstellen und interessante Einblicke geben, welch große Kunst mitunter aus solchen Gemengelagen entstanden ist. Dabei werden vier Schwerpunkte herausgegriffen:

  • der Schlossbau mit Beispielen aus Bamberg, Würzburg und Passau
  • die Innenausstattung mit Beispielen aus Augsburg, Salzburg und einem Exkurs zu Jagdschlössern
  • die Repräsentation der geistlichen Kurfürsten von Mainz, Trier und Köln
  • das Hochstift Passau, wobei vor allem die Veste Oberhaus selbst zum Thema wird

Somit ist natürlich auch die Veste Oberhaus mit ihrem „Rittersaal“ der ideale Tagungsort, bietet sie doch einen direkten Einblick in die bauliche Repräsentation eines Fürstbischofs an der Schwelle zur frühen Neuzeit. Auch ist sie ein wesentlicher Gegenstand des Forschungsprojekts „ViSIT“, in dessen Rahmen die Tagung stattfindet und dem auch der Abendvortrag am Freitag in der Passauer Heilig-Geist-Kirche gewidmet sein wird.

Die Erforschung der Veste Oberhaus ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Für das Projekt ViSIT entstehen gerade virtuelle Rekonstruktionsmodelle, welche das Wachstum der Anlage über mehrere Jahrhunderte darstellen. Nun steht im Fokus herauszufinden, wie die Fassaden der Gebäude, und damit das Erscheinungsbild der Burg in verschiedenen Ausbauzuständen ausgesehen haben könnte. Es bleibt also spannend…!

  • Clemens Knobling, Bauforscher, ViSIT/Oberhausmuseum
  • Fotos/Bilder: Oberhausmuseum, Pedagrafie
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