Künstlerportraits zur Sonderausstellung

Zu Besuch bei Alois Riedl.

Begleitend zur aktuellen Sonderausstellung „30 Jahre Neue Sammlung“ hat das Oberhausmuseum zwei der dort ausgestellten Künstler besucht und sie zu ihren Arbeiten befragt. Unser Filmteam durfte bei Alois Riedl und Horst Stauber Atelier und Galerie besuchen und bekam Einblick in die Arbeitsweise und Lebensphilosophie der beiden sehr unterschiedlichen Künstler.

Filmemacher Philipp Wagner und Manuel Klavers, die bereits im letzten Jahr die Kurzfilme zur Sonderausstellung „Passau von 1950 bis heute“ drehten, standen auch diesmal hinter der Kamera und schleppten tapfer an diesem sonnigen Tag schweres Equipment mit sich herum.

Ganz nah dran – Manuel Klavers filmt die Bilder von Alois Riedl in der Sonderausstellung.

Zuerst stand der Besuch bei Alois Riedl in Brunnenthal bei Schärding auf dem Programm. Herr Riedl begrüßte das Team in seinem wunderschönen alten Haus, umgeben von Rosenbüschen und Lavendel. Hier lebt er mit seiner Frau Annerose Riedl, die ebenfalls Künstlerin ist und in einem Nebengebäude ihre Skulpturen aus großen Holzblöcken formt. Im oberen Stock hat Alois Riedl ein kleines Atelier, direkt vom Wohnzimmer aus zu erreichen, das vor allem im Winter benutzt wird, allerdings nicht viel Raum für größere Formate bietet. Er erklärte seine Arbeitsweise, die, wie er lachend feststellte, entgegen der Erwartung des Betrachters immer vom Gegenstand ausgeht. Als Autodidakt war sein Weg als Künstler anders als der vieler seiner Kollegen, auch sei er nie wirklich weg gewesen, schmunzelte er, „meine Frau sagt ich bin zu sesshaft!“

Das Filmteam mit Alois Riedl in seinem Atelier.

Sein zweites, größeres Atelier in einem Nebengebäude wurde nach dem Hochwasser 2013 eingerichtet, da die ursprünglichen Atelierräume in Schärding und viele Kunstwerke dort den Fluten des Inns zum Opfer fielen. Einige Bilder konnten gerettet werden und zeigen noch heute Spuren der Flutkatastrophe. Neben seinen Bildern und den Skulpturen seiner Frau finden sich überall in Haus und Ateliers Objekte religiöser Kunst, die die Geschichte des Hauses widerspiegeln, afrikanische Schilde und Masken und Kunstwerke anderer Künstler – etwa der Enkelkinder, die 80 kleine Bilder zum seinem 80. Geburtstag für ihn zeichneten.

Filmemacher Philipp Wagner ist immer auf der Suche nach dem perfekten Winkel.

Host Stauber wartete auf uns in seiner Galerie am Residenzplatz in Passau. Wer in der Gegend unterwegs ist hat ihn bestimmt schon getroffen, auf seinem Fahrrad – erkennbar an der Obstkiste auf dem Gepäckträger – oder in einem der Cafés nebenan sitzend, bei einem Kaffee oder einem Glas Wein. Bereits seine erste Galerie in Passau befand sich seit den 1970ern am Residenzplatz. In jenen Räumen befindet sich seit kurzem ein Café für das Host Stauber ein großes aus drei Teilen bestehendes Glasrelief entwarf und produzierte. Das Relief ist an der Rückwand der Bar angebracht und glücklicherweise trafen wir bei unserem Spontan-Besuch trotz Ruhetags den Besitzer vor Ort an, der uns einen Blick auf sein Kunstwerk erlaubte.

Host Stauber zeigt uns Kontaktabzüge einer vergangenen Ausstellung seiner Werke im Oberhausmuseum.

Der Werdegang Horst Staubers, den er mit vielen Anekdoten angereichert erzählte, führte über viele Stationen wieder zurück nach Passau. Hier war er schon früh im Betrieb seines Vaters in die Familientradition des Glasmachens eingeführt worden, die über viele Generationen weitergegeben wurde. Sein Weg führte Ihn über den Bayerischen Wald bis nach Venedig, mit dem er heute noch eng verbunden ist. Zusätzliche Ausbildungen in Lithografie, Fotografie und Metallgestaltung kamen ihm in seiner Arbeit immer zu gute. So gestaltet er seit vielen Jahren Plakate für seine und andere Ausstellungen. Eine kleine Sammlung konnten wir bei unserem Besuch besichtigen, einige sind auch in der Ausstellung im Oberhausmuseum zu sehen. Das Studium zur Metallgestaltung ermöglichte Horst Stauber vor allem einen beeindruckenden und kreativen Umgang mit Farbe in seinen Glasarbeiten, für die man viel chemisches Wissen haben muss – deren Erklärung anwesende Filmemacher und Museumsmitarbeiter faszinierte, aber an ihre naturwissenschaftliche Grenzen brachte.

Für Regisseur Philipp Wagner waren die Dreharbeiten spannend und lehrreich zugleich:

„Man weiß nicht was einen erwartet, wenn man sich auf den Weg zu Künstlern macht. Was wir erlebt haben, bzw. erleben durften war ein sehr privater Einblick in das Leben und die Arbeitsweise von Horst Stauber und Alois Riedl. Die Kamera fängt dabei Worte, Blicke, Gesten und das Umfeld ein und erzeugt dadurch eine andere Perspektive. Nachdem man ein persönliches Treffen mit den Herren hatte, auf das wir die Zuschauer unserer Kurzportraits mitnehmen wollen, wird einem bei der Betrachtung der Werke im Oberhausmuseum so einiges klar. Hinter jedem Objekt steckt eine Persönlichkeit, die wie Horst Stauber sagt: „etwas weiter geben möchte.“

Hier gibt es den Trailer zu den beiden Filmen. Die Filme selbst werden ab Donnerstag 12. Juli online (auf der Webseite und dem YouTube Kanal des Oberhausmuseums) veröffentlicht und laufen ab sofort im Foyer der Sonderausstellung „30 Jahre Neue Sammlung“ im Oberhausmuseum.

Die Sonderausstellung ist noch bis 15. November 2018 täglich geöffnet (Mo-Fr 9-17 Uhr, Sa/So/Ft 10-18 Uhr).

  • Eva Sattlegger (Fotos: Oberhausmuseum)
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